WohWi Talk – Thema: Energiewende und Klimaschutz

Am 29. Mai 2017 diskutierten mit uns
unter der Moderation von Michael Fabricius, Journalist und Leiter „Places“, Immobilien bei DIE WELT/N24
zum Thema Energiewende und Klimaschutz

Dr. Herlind Gundelach MdB (CDU/CSU)
Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft und Energie

Klaus Mindrup MdB (SPD)
Mitglied im Ausschuss für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit

René Gansewig
Vorstandssprecher der NEUWOBA Neubrandenburger Wohnungsbaugenossenschaft eG

Dr. Julia Verlinden MdB (Bündnis90/Die Grünen)
Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft und Energie
 

 

 

Antworten auf offene Fragen, die während des WohWiTalks aus Zeitgründen nicht mündlich beantwortet wurden:



1.
Wenn energetisch Sanieren angeblich zu teuer ist, die Energiekosten und Mieten in absehbarer Zeit ebenfalls steigen, wie sollen denn Mieter zukünftig wohnen? Sollen alle Mieter in das Umland ziehen, um anschließend jeden Tag mit hohen CO2-Emissionen in die Stadt zu pendeln? (Frage des Users „Berliner Mieter“)

René Gansewig (NEUWOBA)
Die Wohnungswirtschaft, insbesondere die regionalen Wohnungsunternehmen, haben ein ausgewogenes Interesse, energetische Sanierungen und gesetzliche Anforderungen unter Beachtung der individuellen Einkommensverhältnisse zu schaffen. Bei der Planung der energetischen Modernisierungen werden die Mieterhöhungen und Zielmieten mit den bestehenden Bestandsmieten der Mieter genau ausbalanciert. Ziel ist es eine Warmmietenneutralität nach der energetischen Modernisierung für die Bewohner sicherzustellen und Sie in ihren eigenen vier Wänden zu halten. Für Mieter heißt das in solchen Fällen: Sie zahlen zwar eine höhere Kaltmiete, weil damit die Sanierung im Nachhinein finanziert wird. Zugleich sparen sie aber mindestens genauso viel Geld auf der anderen Seite ein, nämlich bei ihren Heizkosten.



2.
Die Sanierung von Wohnanlagen zu den Zwecken von Klimaschutz und Energieeffizienz ist stark mit dem gesellschaftlichen Prozess der Aufwertung von Wohngegenden verbunden, und damit der Verdrängung von Einkommensschwachen. Wie können Klimaschutz und Milieu-schutz zusammen funktionieren? (Frage der Userin „Nora-Lina Drehner“)


Dr. Julia Verlinden (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Antwort auf Frage 1 und 2 – Deswegen haben wir das Konzept „Faire Wärme“ entwickelt und den zugehörigen Aktionsplan mit einem breiten Instrumentenmix als Antrag in den Bundestag eingebracht. Damit sollen bezahlbares Wohnen und Klimaschutz gleichermaßen realisiert werden. Den Bundestagsantrag „Klimaschutz in der Wärmeversorgung sozial gerecht voranbringen – Aktionsplan Faire Wärme starten“ finden Sie hier: http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/109/1810979.pdf

René Gansewig (NEUWOBA)
Selbstverständlich hat die Wohnungswirtschaft eine soziale Verantwortung und kennt die tiefgreifende Herausforderung fortschreitender Entmischungstendenzen in den Städten. Wir sind für eine lebendige Durchmischung unserer Wohnquartiere, die einen Querschnitt durch unsere Gesellschaft abbilden und so das Quartier attraktiv für alle Bewohner und deren Bedürfnisse macht. Für ein funktionierendes Quartier hat die Wohnungswirtschaft verschiedene Instrumente zur Verfügung:
• Regelungen bei der Neuvermietung von Wohnungen
• Ermöglichung von gemischten Wohnstrukturen, z.B. Menschen mit Handicap, Flüchtlinge
• Strukturverbesserungen, z.B. Barrierefreiheit
• Absicherung der Wohnqualität und eines breiten Wohnungsangebotes
• zielgruppengerechte Angebote für die Bewohner, z. B. Nachbarschaftstreffs
• Förderung einer selbstbewussten Bürgerschaft
• Entwicklung von nachhaltigen Strukturen in Nachbarschaften und im Quartier
• usw.
Zur Gestaltung einer funktionierende Quartierspolitik müssen interdisziplinäre Netzwerkstrukturen aufgebaut werden. Dabei können Wohnungsunternehmen nur als Partner auftreten. In erste Linie sind die Kommunen bei der Quartiersentwicklung und bei der Vergabe von Grundstücken gefragt, damit es nicht zu einer Verdrängung von einkommensschwachen Haushalten kommt. Dabei ist insbesondere eine kluge Förderpolitik wichtig.



3.
Warum schieben Wohnungsunternehmen immer wieder Sanierungsargumente gegen preisgünstige Wohnanlagen vor? (Frage der Userin „Nora-Lina Drehner“)

René Gansewig (NEUWOBA)
Ein wichtiges Ziel der Wohnungswirtschaft ist die Umsetzung der Energiewende, also die Senkung des Energiebedarfs der Gebäude. Die Energieprognose 2050 zeigt den weiteren Fahrplan und Energieziele der Bundesregierung in Sachen Energieeffizienz in Gebäuden auf. Die Vorgaben der Energieeinsparverordnung wirken sich unmittelbar auf die Investition- und Modernisierungskosten und somit auf die Bruttowarmmiete aus. Für die Wohnungswirtschaft ist es immer wichtiger, den Bau von geförderten Mietwohnungen und den Erhalt günstiger Bestandswohnungen zu realisieren, um die Versorgung mit preisgünstigem Wohnraum sicherzustellen. Von Bedeutung ist hier eine umsichtige Planung von energetischen Modernisierungen unter Beachtung der bestehenden Einkommensverhältnisse. Die Neuwoba findet bei energetischen Sanierungen immer Lösungen, damit alle Parteien partizipieren können. Die Unternehmensform Genossenschaft ist ein Garant dafür, dass notwendige energetische Sanierungen nach modernen betriebswirtschaftlichen Analysen, auch in schwierigen Quartieren, durchgeführt werden.


4.
Warum investieren denn die Wohnungsunternehmen. Nicht freiwillig in mehr Klimaschutz, sondern nur wenn es Staatsknete gibt?! (Frage des Users „Danfried“)

René Gansewig (NEUWOBA): Wohnen ist ein Grundbedürfnis des Menschen. Gute Wohnstandards und intakte Städte sind für die Lebensqualität des Einzelnen von ausschlaggebender Bedeutung. Sie tragen darüber hinaus auch wesentlich zu einem guten sozialen Klima in unserer Gesellschaft bei. In unserem föderalen System tragen Bund, Länder und Gemeinden die wohnungspolitische Verantwortung, die Funktionsfähigkeit der Wohnungsmärkte sicherzustellen. Die Aufgabe des Bundes ist die steuerrechtliche, mietrechtliche und förderrechtliche Gestaltung der Rahmenbedingungen für den Wohnungsmarkt, das Fördersystem und die der Finanzierung der Förderinstrumente. Schwerpunkte der Wohnungspolitik sind die Verbesserung der Wohnversorgung durch Förderung des sozialen Mietwohnungsbaus und Verbesserung der Wohnqualität, aber auch die Förderung des Wohneigentums. Ohne die verschiedenen Förderinstrumente der Wohnungspolitik würde der Wohnungsmarkt in seiner sozialen Vielfalt und sicheren Versorgung aller Bevölkerungsschichten mit Wohnraum ein anderer sein. Die Förderung ist nicht nur isoliert zu Betrachten. Die hohen Investitionskosten werden durch die Wohnungswirtschaft alleine oder durch die Aufnahme von Fremdkapital abgesichert, insbesondere bei Zuschüssen sind europäische Regelungen und Besonderheiten zu beachten.
 

5.
Das Nutzerverhalten spielt bei der Energieeinsparung eine große Rolle. Wie kommunizieren Sie da mit Ihren Mietern, Herr Gansewig? (Frage des Twitter-Users „wi_live“)

 

René Gansewig (NEUWOBA)
Die Neuwoba Neubrandenburger Wohnungsbaugenossenschaft eG setzt sich seit Jahren erfolgreich für den Klimaschutz und die Senkung des Energiebedarfs unserer Bestände ein. Gebäude sollen durch umfassende Modernisierungen und Teilmaßnahmen effizienter gemacht, Anlagentechnik erneuert und verbessert und Energieeinsparung durch die Anpassung des Nutzerverhaltens kommuniziert werden. Dabei ist eine klare, verständliche Kommunikation erforderlich, um Mitglieder und Mieter auch über die Vorteile der energetischen Sanierung und über Energieeinsparungen im Haushalt zu informieren. Diese Themen kommunizieren wir regelmäßig in unserer Mitgliederzeitschrift „konkret“, bei Informationsveranstaltungen für Modernisierungsmaßnahmen, Informationsschreiben zum Thema: Heizen und Lüften und bei persönlichen Gesprächen mit unseren Mitgliedern und Mietern.

 

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